Premierenberichte

"Il canto s'attrista, perchè?" in Wuppertal/Leverkusen

02.11.2021 | Salvatore Sciarrinos Oper konnte wegen der durch Hochwasser verursachten Schäden am Wuppertaler Opernhaus dort nicht aufgeführt werden. Stattdessen fand die Premiere im Erholungshaus in Leverkusen statt. Es geht in diesem Werk um die Rückkehr Agamemnons, der als gefeierter Held den Sieg über die Trojaner verantwortet und die Seherin Kassandra als Sklavin und Mätresse mit nach Hause bringt – sehr zum Ärger seiner Gattin Klytämnestra, die noch erzürnt darüber ist, dass er zehn Jahre zuvor die gemeinsame Tochter Iphigenie geopfert hat. Klytemnästra rächt sich bitterlich. Agamemnon und auch...Weiterlesen

"Götterdämmerung" an der Deutschen Oper Berlin

28.10.2021 | „Auch als Reaktion auf die heutige andauernde Flüchtlingskrise spielt Flucht eine große Rolle in unserem Regiekonzept für den 'Ring'. Er erzählt von einer inneren Flucht, auf der wir uns alle auf eine Art befinden, auch wenn wir in der Kunst Zuflucht suchen.“ Dies schreibt Regisseur Stefan Herheim, der sich in seinem Text auch mit der Erinnerung an Nazi-Deutschland und dem Berliner Holocaust-Mahnmal auseinandersetzt. Die Flüchtlinge treten in seiner Inszenierung des abschließenden "Ring"-Abends im Feinripp auf, ihr Status manifestiert sich in Kofferbergen, die auf der Bühne platziert sind...Weiterlesen

"In der Strafkolonie" in Augsburg

26.10.2021 | 2000 wurde Philip Glass‘ Kammeroper „In der Strafkolonie“ in Seattle uraufgeführt. Er vertonte die gleichnamige Erzählung von Franz Kafka aus dem Jahr 1919, die erschreckenderweise nicht an Aktualität verloren hat. Ein Besucher oder Forschungsreisender wird Zeuge einer öffentlichen Hinrichtung, bei der eine Tötungsmaschine zunächst die Vergehen des Delinquenten in dessen Haut einritzt, bevor sie ihn – Stunden später – tötet. Dieser Apparat ist das Zentrum des Geschehens auf der Bühne. Der Offizier, der die Maschine bedient, und der Reisende kommen ins Gespräch und diskutieren über Schuld,...Weiterlesen

"Ombra e Luce" in Mannheim

21.10.2021 | Mit Madrigalen von Claudio Monteverdi gestaltet das Nationaltheater Mannheim den vierten Teil seines Monteverdi-Zyklus‘. Zu Lebzeiten des Komponisten wurden acht Madrigalbücher veröffentlicht, die nicht weniger als seine Opern Zeugnis von der Vielfältigkeit seines Schaffens geben: Es bietet „vom fünfstimmigen Gesang ‚alter Schule‘ bis hin zu dem um 1600 im Entstehen begriffenen solistischen Operngesang immer wieder neue Formen, um von allen Zuständen des menschlichen Lebens zu erzählen“, so das Theater auf seiner Webseite. Gemeinsam mit dem Barockorchester „il Gusto Barocco“ schaffe das Team...Weiterlesen

"Das schlaue Füchslein" in Freiburg

19.10.2021 | Regisseurin Kateryna Sokolova hat sich für Janáceks Oper zum Spielstart am Theater Freiburg eine ganz eigene Interpretation ausgedacht. Die Menschen, so das Theater Freiburg in seiner Ankündigung, „hinken dem Vergangenen hinterher (…). Und also ringen sie mit aller Kraft um einen Moment von Glück. Es ist dieses Ringen um Inspiration, dem die junge Regisseurin Kateryna Sokolova nachspürt.“ Und so versetzt sie die Handlung ins Film-Milieu. Der Förster wird hier zum Regisseur. Die junge Opernregisseurin arbeite mit dem Kino als Sehnsuchtsort, so die neue musikzeitung (nmz). Die ganze Handlung...Weiterlesen

"Gerade sein und Mensch werden: Sophie Scholl" in Heidelberg

14.10.2021 | Kein leichtes Unterfangen, die Geschichte der Widerstandskämpferin Sophie Scholl in eine Oper umzusetzen. In der Heidelberger Uraufführung löst Autorin Ulrike Schumann (gleichzeitig Operndirektorin und Dramaturgin des Theaters) diese Aufgabe, indem sie Vergangenheit und Gegenwart entlang von Sophie Scholls Biografie und eines Parallelblicks in unsere Zeit befragt, so erklärt das Theater die Struktur des Stücks. Die Sängerin Katarina Morfa nimmt nicht nur die Rolle Sophies, sondern auch die der heute 16-jährigen Ira ein, die sich mit dem Andenken an die 1943 im Alter von nur 21 Jahren von den...Weiterlesen

"Der Antichrist" in Leipzig

12.10.2021 | Zu Beginn der neuen – hoffentlich „normalen“ – Spielzeit“ bringt die Oper Leipzig eine Opernrarität auf die Bühne. Viktor Ullmanns Werk, nach einem Text des Schweizer Anthroposophen Albert Steffen, wurde 1935 fertiggestellt, aber erst 1995 in Bielefeld uraufgeführt. Grund: Der jüdische Komponist Ullmann durfte nicht mehr aufgeführt werden, wurde 1942 nach Theresienstadt, später nach Auschwitz deportiert, wo er 1944 starb. Die Oper darf durchaus als Widerstandsstück gegen die Allmacht Hitlers gedeutet werden, ist aber auch heute aktuell. Ein Regent mit Allmachtsfantasien nimmt einen...Weiterlesen

"Der Hetzer" in Dortmund

07.10.2021 | Das Theater Dortmund hat zu Beginn der Spielzeit eine Uraufführung von Bernhard Lang aufs Programm gesetzt. Lang hatte vor einigen Jahren bereits Wagners „Parsifal“ überschrieben. Nun galt seine Überschreibung Giuseppe Verdis Oper „Otello“, die wiederum auf der Shakespearschen Vorlage beruht. Die Grundgeschichte ist bei Lang ähnlich: Joe Coltello ist „anders“, aber dennoch erfolgreich, beruflich wie in der Liebe. Jack Natas (der Hetzer und Pendant für Jago) sieht dies mit zunehmendem Neid und mit Eifersucht und beginnt, seine Intrige zu spinnen. Am Schluss tötet Coltello nicht die schöne...Weiterlesen

"Mazel tov! Wir gratulieren" in Düsseldorf

05.10.2021 | Der polnische Komponist Mieczysław Weinberg ist Opernliebhabern in den letzten Jahren vor allem durch sein Werk „Die Passagierin“ ins Bewusstsein geraten. Dieses wiederentdeckte Kleinod erlebte ein „Revival“ auf deutschen Opernbühnen. 1975 komponierte Weinberg eine komische Oper mit melancholisch-traurigen Anklängen nach der Vorlage des ukrainisch-jiddischen Autors Scholem Alejchem aus den 1920er-Jahren. „Mazel Tov! Wirgratulieren!“ hatte nun an der Deutschen Oper am Rhein Premiere. Im Zentrum: das Untergeschoss eines herrschaftlichen Hauses. Oben soll die Verlobung der Tochter gefeiert...Weiterlesen

"Le Grand Macabre" in Schwerin

30.09.2021 | Der neue Operndirektor am Mecklenburgischen Staatstheater, Martin G. Berger, will das Schweriner Publikum offenbar an zeitgenössisches Musiktheater heranführen. Als Auftaktoper im Premierenmarathon (5 Premieren an zwei Tagen) hat er György Ligetis Oper ausgewählt, in der der Tod persönlich auf die Erde kommt, um sie mit einem Kometenschlag zu vernichten. Das misslingt aufgrund eines Besäufnisses: Der Tod ist nicht mehr in der Lage, seinen Plan umzusetzen. Es siegen die Liebe, die Lust, das Leben… So weit der mehr als skurile Inhalt des Musiktheaterwerks. In Schwerin setzt Berger als Regisseur...Weiterlesen

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