Premierenberichte

"Die Aufteilung der Welt" in Kiel

27.06.2018 | Das Kieler Theater hat eine Opernrarität der Barockzeit, uraufgeführt 1675 in Venedig, wiederentdeckt im Rahmen der Schwetzinger Festspiele im Jahr 2000, auf die Bühne gebracht. Giovanni Legrenzi, heute weitgehend unbekannt, schrieb die Musik auf ein Libretto von Giulio Cesare Corradi. Beide nehmen die römische Götterwelt gehörig auf die Schippe, im Olymp geht es drunter und drüber, denn Venus, die Liebesgöttin, verdreht den männlichen Göttern den Kopf und zieht damit naturgemäß den Zorn von Götermutter Juno auf sich. Regisseur Ulrich Waller, Leiter des Hamburger St. Pauli-Theaters,...Weiterlesen

"Benjamin" in Hamburg

22.06.2018 | Der Komponist Peter Ruzicka sucht sich keine einfachen Stoffe für seine Opern. Zuerst „Celan“, dann „Hölderlin“, jetzt „Benjamin“; diese dritte Oper erlebte an der Hamburgischen Staatsoper ihre Uraufführung. Aneinandergereiht werden sieben Stationen aus dem Leben des bedeutenden Philosophen Walter Benjamin erzählt, der sich 1940 im Exil und auf der Flucht vor den Nazis das Leben nahm. Weggefährten Benjamins treten auf, zum Beispiel Hannah Arendt, Bertolt Brecht, seine Geliebte Asja Lacis und seine Ehefrau Dora Kellner. Der Philosoph selbst erscheint gleich doppelt, als Sänger und als...Weiterlesen

"Otello" in Lübeck

20.06.2018 | Im Wesentlichen spielt Verdis relativ späte Oper in der Inszenierung von Bernd Reiner Krieger in einem bunkerartigen dunklen Ambiente. „Diese klaustrophobische Umgebung nutzt Krieger, um die Psychologie der Figuren nachzuzeichnen - ein einfacher Grundgedanke dieser Inszenierung, der sich aber glänzend bewährt“, schreiben die Lübecker Nachrichten. Von einem „sehr gradlinigen, zugleich plausiblen ‚Otello‘“ berichtet die neue musikzeitung (nmz): „Ungewohnt ist solch ein Herausarbeiten dessen geworden, was im Werk steckt und nicht im Kopf eines Regisseurs.“ Die musikalische Umsetzung stand nicht...Weiterlesen

"Anna Bolena" in Karlsruhe

18.06.2018 | Düster geht es zu in Irina Browns Inszenierung der frühen Donizetti-Oper rund um Heinrichs des VIII. zweite Frau (von sechsen) Anna Bolena. Des Ehebruchs bezichtigt, steht sie in Rivalität zu ihrer „Nachfolgerin“ Jane Seymour. Um diese beiden Frauen dreht sich vor allem die Oper: „Donizettis Oper und auch Irina Browns Regie sind komplett auf die beiden zugeschnitten“, schreibt die Frankfurter Rundschau (FR). Und: „Brown (…) scheint eigentlich wenig zu unternehmen, aber das macht sie mit Geschick und Frische.“ Von „spannenden Ensembleszenen“ berichtet das Badische Tagblatt. Musikalisch ist die...Weiterlesen

"Der Bajazzo" in Rostock

13.06.2018 | Mit dem Auftakt zum Volkstheatersommer unter dem Motto „Gaukler, Hippies, Abenteurer“ hat das Rostocker Volkstheater bewiesen, dass es erfolgreich kooperieren kann. Das Theater Neubrandenburg/Neustrelitz ist an dieser Koproduktion beteiligt, ebenso die Staatliche Artistenschule Berlin, mit deren Hilfe es akrobatisch zugeht in dieser Interpretation von Ruggero Leoncavallos einzigem Welterfolg „Der Bajazzo“. Die Kombination aus Opern- und buntem Zirkusgeschehen in einer Manege, die Verwandlung der Theater- in eine Zirkustruppe, die sich Regisseur Peter Lotschak ausgedacht hat, ist gelungen. „...Weiterlesen

"The Rake's Progress" in Bremen

11.06.2018 | Als „Gleichnis vom Aufstieg und Fall eines Suchenden, das in zehn Szenen von flirrender Leichtigkeit, märchenhaften Kuriositäten und berührender Emotionalität mündet“, bezeichnet das Theater Bremen Strawinskys Oper; Regisseur Michael Talke werde sie in seine gewohnt groteske Bildsprache übersetzten, lautet die Ankündigung. Offenbar geglückt: „Die Moral dieser fast brechtischen Parabel: Wer sich wie Tom Rakewell den erzwungenen Zufällen des Glücks überlässt, ist schließlich der Betrogene. Das zaubert Talke in einer überragenden Fülle von Ideen, die purer und lustvoller Theaterlust ebenso...Weiterlesen

"Die Zauberflöte" in Trier

08.06.2018 | Mozarts letzte Oper war auch die letzte Opernpremiere, die in dieser Saison auf dem Spielplan des Theaters Trier stand. Regie führt Heinz Lukas-Kindermann, Intendant in Trier bis 2004, der 15 Jahre lang nicht in Trier inszeniert hatte, nun aber in die Stadt an der Mosel zurückkehrte. Es ist auch die letzte Premiere des derzeitigen GMDs Victor Puhl, der das Pult in der kommenden Spielzeit für den neuen GMD Jochem Hochstenbach freimacht. Das Trierer Bühnenbild ist einfach, aber überzeugend, man arbeitet mit astronomischen Symbolen, die Königin der Nacht steht auf dem Halbmond. „Spektakulär und...Weiterlesen

"Aus einem Totenhaus" an der Bayerischen Staatsoper

06.06.2018 | „Aus einem Totenhaus“ ist Leoš Janáčeks letzte Oper. Er erzählt hier weniger eine durchgehende Geschichte; vielmehr orientierte er sich an Dostojewskis „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“, in denen dieser eigene Erfahrungen in einem Arbeitslager verarbeitete. Die Oper zeigt verschiedene Szenen aus einem Sträflingslager, in dem die Insassen vor allem ihre Geschichten erzählen. „Es ist ein sehr düsteres Werk. Tragisch, tragikomisch, politisch“, erklärt Dirigentin Simone Young. Regie führt – erstmals an der Bayerischen Staatsoper – Frank Castorf und erntet unterschiedliche Reaktionen, im...Weiterlesen

"Argo" in Mainz

04.06.2018 | Der Komponist José M. Sánchez-Verdú wurde im äußersten Süden Spaniens geboren und interessiert sich gerade deshalb für „das Mittelmeer als Raum der Begegnungen, der Bewegungen, der Suche, des Austauschs, der Kulturen und Religionen, aber auch der Katastrophen, des Krieges und des Todes.“ (Originalzitat) Sein musikalisches Drama „Argo“ wurde jetzt am Staatstheater Mainz (fast) uraufgeführt (vorher war es in gleicher Besetzung bereits in Schwetzingen gespielt worden). Jasons Fahrt mit der „Argo“ auf der Suche nach dem Goldenen Vlies ist bestens bekannt: Der Verführung durch die Sirenen erliegt...Weiterlesen

"Moskau, Tscherjomuschki" in Braunschweig

30.05.2018 | Wohnungsnot, Korruption und Zwischenmenschliches. Dmitri Schostakowitschs 1959 uraufgeführte Operette hat offenbar wenig an Aktualität verloren. In Moskau werden in der Altstadt lebende Menschen ins neue „Vorzeigeviertel“, eine Trabantenstadt am Stadtrand umquartiert. Deutliche Spitzen gegen eine korrupte Parteiführung sind nicht zu überhören. „Mit musikalischem Witz bündelt Schostakowitsch in dieser russischen Operette individuelle Träume und demonstriert liebevoll die Stärke der Gemeinschaft in Zeiten prekärer Umstände“, schreibt das Staatstheater Braunschweig. Dort steht das Werk jetzt auf...Weiterlesen

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