Premierenberichte

„Ti vedo, ti sento, mi perdo” an der Staatsoper Unter den Linden

18.07.2018 | „Ti vedo, ti sento, mi perdo” ist die fünfte Oper von Salvatore Sciarrino, die während der Intendanz von Jürgen Flimm an der Staatsoper Unter den Linden gespielt wird. Flimm führt auch selbst Regie und erlaubt sich in der letzten Premiere seiner Amtszeit einen Hitchcock-Effekt, indem er mehrfach von einer Seite zur anderen über die Bühne läuft. Das passt insofern, als die Oper eine Probensituation zeigt, in der die Protagonisten auf den berühmten Komponisten Alessandro Stradella warten. Der aber kommt nicht – und nach einer Wartezeit von immerhin acht Jahren erreicht die Menschen auf der...Weiterlesen

"Erdbeben. Träume" in Stuttgart

16.07.2018 | „Dem Menschen genügen keine Naturkatastrophen für die Apokalypse, er selbst ist die noch größere Gefahr“, schreibt die Südwestpresse anlässlich der Uraufführung von Toshio Hosokawas Oper „Erdbeben. Träume“. Vorlage ist Heinrich von Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“ aus dem Jahr 1806. Kleist erzähle „eine Parabel auf eine haltlose Menschheit, die die Erde in eine Hölle verwandelt und zugleich das bedrohte Leben weiterträgt“, so die Oper Stuttgart auf ihrer Webseite. Die Musik beeindruckt die Kritiker durchweg. Hosokawa, das beweise diese Uraufführung, sei der „derzeit beste...Weiterlesen

"Carmen" in Wuppertal

13.07.2018 | Georges Bizets Kassenfüller war die letzte Premiere an der Oper Wuppertal vor Ende der Spielzeit. Nachdem das Haus durch falsche kulturpolitische Entscheidungen 2016 in einem mehr als schlechten Zustand war, hat es seit der Intendanz von Bertold Schneider enorm an Zuspruch und Renommee gewonnen – das in kürzester Zeit. „Carmen“ unter der Regie von Candice Edmund sorgt nun auch für ein positives Spielzeitende. Carmen ist hier vor allem die nach Freiheit strebende Frau, weniger Vamp oder Femme fatale. Die Bühne ist einfach, aber mit blutroten Wänden und einem Arena-Ambiente eindrücklich. Die...Weiterlesen

"Ein Herz aus Gold" in Augsburg

11.07.2018 | Ein Kapitalist der Renaissance, Strippenzieher, seinerzeit der reichste Mann der Welt: Jakob Fugger, Augsburger Bürger, machte seine Heimatstadt nach der Rückkehr von einem 14-jährigen Aufenthalt in Venedig zu einer Finanzmetropole. Gleichzeitig sorgte er mit „sozialem Wohnungsbau“ für die Verbesserung der sozialen Lage vieler armer Stadtbewohner. Das Augsburger Theater hat ein Musical über den Sohn der Stadt in Auftrag gegeben, das jetzt seine Uraufführung erlebte: Der Titel, „Herz aus Gold“, ist dabei durchaus zweideutig zu verstehen. „Stephan Kanyar und Andreas Hillger haben alles richtig...Weiterlesen

"Nabucco" in Mönchengladbach

09.07.2018 | Große Begeisterung in Mönchengladbach: Wie das nur eine Stunde entfernte Theater im Revier (Gelsenkirchen) präsentierte das Theater Krefeld-Mönchengladbach als letzte Opernpremiere vor der Spielzeitpause Verdis Oper, die vom „Sieg von Liebe und Freiheit über Machtgier, Intrigen und Zerstörung“ (Theater-Webseite) handelt. Einen „Titelhelden aus dem Bilderbuch“ erkennt die Deutsche Bühne in Johannes Schwärsky, der überall überschwängliches Lob erfährt. Neben ihm tut dies insbesondere der Chor. „Der Chor in Bestform, klingt hier transparent, da gewaltig, wo es gefordert ist, präsentiert sich...Weiterlesen

"Die Nase" an der Komischen Oper Berlin

06.07.2018 | Nikolai Gogol lieferte die literarische Vorlage für diese Opern-Groteske, die Schostakowitsch im zarten Alter von 22 Jahren schrieb. Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin, hatte das Werk bereits an Covent Garden inszeniert und holte es jetzt nach Berlin. „Dabei macht der Regisseur bereits in den ersten Szenen deutlich, dass es sich um keinen bloßen Remake seiner erfolgreichen Inszenierung am Londoner Royal Opera House, sondern um eine echte Berliner Fassung handelt“, betont die neue musikzeitung (nmz). Kollegienassessor Kowaljow verliert seine Nase und muss, um nicht ins...Weiterlesen

"Il viaggio a Reims" an der Deutschen Oper Berlin

04.07.2018 | Für Rossini war seine letzte italienischsprachige Oper eigentlich nur ein „Gelgenheitswerk“; es versank nach einigen wenigen Aufführungen in der Versenkung. Claudio Abbado sorgte 1984 für die Wiederentdeckung. Seither ist die Oper auch auf anderen Bühnen zu erleben, jetzt also auf der der Deutschen Oper Berlin. Viele europäische Oberschichts-Angehörige versammeln sich in einem Hotel, um am kommenden Tag nach Reims zu reisen. Dort wollen sie an der Krönung Karls X. teilnehmen. Regisseur Jan Bosse macht aus dem Hotel ein Sanatorium, den Insassen wird lediglich vorgegaukelt, sie könnten am...Weiterlesen

"Don Giovanni" in Wiesbaden

02.07.2018 | Ein weiterer „Don Giovanni“, diesmal am Staatstheater Wiesbaden. Hier scheint die Titelfigur sich vor allem mit den Themen Alter und Tod auseinanderzusetzen. „Heute scheint die beunruhigende Faszination eines Don Juan verschwunden, die Playboys sind ausgestorben und die Fortpflanzung ist organisierbar. Das letzte Tabu in ‚Don Giovanni‘ bleibt die Begegnung mit dem Tod, dem keiner entfliehen kann“, so das Theater in seiner Stück-Beschreibung. Der Komtur ist hier allgegenwärtig, indem seine Maske im Verlauf der Aufführung immer wieder überraschend auftaucht. Bis hin zu einem starken Ende sei...Weiterlesen

"Oberst Chabert" in Bonn

29.06.2018 | Jeder kennt heute noch Balzac – aber wer kennt Hermann Wolfgang von Waltershausen, der Balzacs „Oberst Chabert“ vertonte? Dabei wurde seine 1912 uraufgeführte Oper ein Welterfolg. Waltershausen wiederum war ein hoch angesehener Musiker und Musikpädagoge, bis er 1933 als Direktor der Münchner Musikakademie gezwungenermaßen vorzeitig in den Ruhestand ging. Seine Oper hatte bis dahin bereits mehr als 100 Inszenierungen in der ganzen Welt erlebt. Die Oper Bonn hat sie nun, nach einer halbszenischen Aufführung in Berlin im Jahr 2010, auf die Bühne gebracht. Es geht um einen tot geglaubten Oberst,...Weiterlesen

"Don Giovanni" in Regensburg

27.06.2018 | „Don Giovanni“ im IKEA-Ambiente? In der Regensburger Inszenierung von Matthias Reichwald reichen im ersten Akt eine kahle Holzbühne mit beweglichen Lamellen in der Rückwand, um Zu- und Abgänge, Versteckspiel und heimliches Lauschen darzustellen. Die liebeswütige Titelfigur geht ganz schön zur Sache – sehr deutlich wird hier auch die Zwiegespaltenheit der Frauen, Anna und Zerlina, die sich durchaus einlassen auf das Liebesspiel, um später dem jeweiligen Partner die reine Liebe zu schwören. Nur Elvira liebt einzig Don Giovanni, erfleht noch nach Demütigung durch das Gespann Giovanni-Leporello...Weiterlesen

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