Premierenberichte

"Pelléas und Mélisande" in Nürnberg

05.07.2024 | „Was andere Komponisten zu einem eruptiven Eifersuchtsdrama inspiriert hätte, wird in Debussys Komposition zu einer Tragödie der Innerlichkeit, einem Fluss der Liebe und des Todes, zu einem Geschehen, das Menschen außer sich bringt und sie Dinge tun lässt, die sie sich niemals hätten vorstellen können.“ So beschreibt die Staatsoper Nürnberg dieses Musiktheaterwerk, das in der Tat weniger äußerliches Geschehen zeigt als innere Dramen. Die Geschichte der beiden Brüder, deren gutes brüderliches Verhältnis durch die – berechtigte oder unberechtigte? – Eifersucht des einen auf den anderen endet,...Weiterlesen

"Der Freischütz" in Kiel

02.07.2024 | Das als typisch „deutsche Oper“ titulierte Bühnenwerk von Carl Maria von Weber wurde am Theater Kiel von einem Franzosen inszeniert, von Jean-Romain Vesperini. Er führte erstmals an einem deutschen Haus Regie und sah den „Freischütz“ als eine Art Traum oder Albtraum. „Vesperinis Inszenierung basiert also darauf, dass etwas ‚ein Traum ist‘, möglicherweise auch ‚im Drogenrausch‘ geschieht. Das erlaubt jede Irrealität, alles Mehrdimensionale und Mehrdeutige“, schreibt die neue musikzeitung (nmz). Und: „Viel wurde gezaubert, nicht nur im Wald, den Christophe Chaupin raffiniert be- und plastisch...Weiterlesen

"La Cenerentola" in Heidelberg

29.06.2024 | „In seiner letzten Oper gelingt es Rossini, die hohe Kunst des Belcantos mit der Komik der Commedia dell’arte zu verbinden“, so das Theater Heidelberg über diese heitere Oper, die „die anrührende Geschichte einer jungen Frau“ erzählt, „die trotz allen erlebten Unrechts gutherzig und versöhnlich bleibt.“ Kostüm und Maske haben ihr Bestes gegeben: Die Stiefschwestern treten mit wilden und bunten Frisuren auf, und auch Angelina fällt am Bügelbrett mit roten Haaren auf. Die Kostüme machen sich auch mal selbstständig – und alles ist sehr bunt – auch der Prinz mit mehr oder weniger coolen...Weiterlesen

"Wozzeck" in Essen

26.06.2024 | Im Video erklärt Regisseur Martin G. Berger sein Regiekonzept für Alban Bergs für das 20. Jahrhundert wegweisende Oper. Er möchte der Titelfigur eine Alternative seines Handelns anbieten. Die Figur des Narren hat er deshalb ausgebaut zu drei Narren (dargestellt durch eine Sängerin, einen Tänzer und eine Schauspielerin). Diese drei agieren in Wozzecks Kopf und sagen ihm: „Es gibt eine Alternative. Bring doch vielleicht nicht deine Frau um, sondern such‘ die Solidarität mit anderen Menschen, die marginalisiert sind.“ Am Ende, nachdem Marie getötet wurde, kehrt Wozzeck in dieser Fassung zu Frau...Weiterlesen

"Falstaff" in Bielefeld

21.06.2024 | Giuseppe Verdi musste fast 80 Jahre alt werden, um seine erste komische Oper zu schreiben. Sein Librettist Arrigo Boito hatte ihm dazu geraten: „Es gibt nur einen Weg, noch besser Schluss zu machen als mit ‚Otello‘, nämlich siegreich mit Falstaff zu enden, ... mit einem Ausbruch von Heiterkeit abzuschließen.“ Verdis Falstaff-Figur ist allerdings nicht einfach nur eine Lachnummer. „Anarchisch, philosophisch, temperamentvoll stellt er als im wahrsten Sinne des Wortes ‚runde Persönlichkeit‘ die bürgerliche Welt in Frage“, so schreibt es das Theater Bielefeld, wo der „Falstaff“ nun eine...Weiterlesen

"Una cosa rara" in Meiningen

18.06.2024 | „Eine seltene Sache“ ist diese Oper von Vicente Martín y Soler heute tatsächlich auf deutschen Bühnen. Sie galt allerdings als Erfolgswerk der Wiener Klassik und verdrängte nach ihrer Uraufführung im Jahr 1786 Mozarts „Hochzeit des Figaro“ vom Spielplan des Burgtheaters. Der Intendant des Meininger Staatstheaters, Jens Neundorff von Enzberg, hatte das Werk bereits in seiner Regensburger Zeit ins Programm genommen und dies in Meiningen wiederholt. Im Mittelpunkt stehen die beiden jungen Frauen Lilla und Ghita, die ihren Verlobten treu bleiben und alle sonstigen Verehrer abblitzen lassen: ein...Weiterlesen

"Lady Macbeth von Mzensk" in Hagen

11.06.2024 | Dimitri Schostakowitsch komponierte nur zwei Opern. Seine „Lady Macbeth“ wurde zwei Jahre nach der Uraufführung abgesetzt – nachdem Stalin eine Aufführung besucht hatte. Schostakowitsch bewegte sich zeit seines Lebens zwischen Anpassung und Aufbegehren – auch in seiner Musik. Dass Stalin seine Oper nicht gefiel, hatte zur Folge, dass er kein Musiktheaterwerk mehr schrieb. Die „Lady Macbeth“ wurde dennoch ein Erfolg und wird heute vielfach auf den Opernbühnen der Welt gespielt. Spürbar sei stets seine Empathie, ja Identifikation mit der Hauptfigur, schreibt das Theater Hagen. Dort hatte die...Weiterlesen

"Die Liebe zu den drei Orangen" in Bremen

06.06.2024 | Nicht von ungefähr beginnt die Stückeinführung auf der Webseite des Theaters Bremen zu Prokofjews beliebter Oper mit dem Zitat von Theodor W. Adorno: „Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen.“ Denn eine Form von Chaos liegt dem Werk inne, erzählt es doch von einem Prinzen, dessen Liebe drei Orangen gilt, – und Frank Hilbrichs Inszenierung befördert dieses Chaos – im besten Sinne. Er schöpft aus einem großen Reservoir an skurrilen und witzigen Einfällen. Bühnenbild und Kostüme stehen dem in nichts nach. Das Geschehen bewegt sich mehrfach von der Bühne ins Auditorium...Weiterlesen

"Buddenbrooks" in Kiel

04.06.2024 | Komponist Ludger Vollmer hat sich an einen großen Stoff der Weltliteratur gewagt, Feridun Zaimoglu hat dazu das Libretto geschrieben und dieses sprachlich wie inhaltlich an die heutige Zeit angepasst. Thomas Buddenbrook handelt hier mit Waffen, sein Bruder Christian mit Büchern. Der Niedergang, den Thomas Mann beschreibt, nimmt auch hier seinen Lauf. Interessant in dieser Version: Schwester Tony tritt in den Vordergrund; sie klagt und spottet über die Stellung der Frauen in der Gesellschaft. Er habe, so Vollmer, freilegen wollen, „was uns Thomas Mann mit seinem Opus magnum heute zu sagen hat...Weiterlesen

"Fidelio schweigt" in Gelsenkirchen

31.05.2024 | „Dialog-Oper“ nennt Komponistin Charlotte Seither ihr Bühnenwerk: ein Dialog zwischen Beethovens Original-Musik und von Seither eingesetzten neuen musikalischen Kreationen. Vermischt wird dabei nichts, kein „Schmelztopf der Stile, sondern eine Erzählung mit ehrlichen Fragen an die Motive Freiheit, Individuum und Macht aus Beethovens Oper, die immer zeitgenössisch bleiben“, schreibt das Musiktheater im Revier in seiner Progamm-Ankündigung. Leonore muss sich hier nicht mehr als Mann verkleiden; sie entwickelt sich im Verlauf des Abends selbst in eine Mächtige, die aber – als sie am Schluss zu...Weiterlesen

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