Premierenberichte

"Intolleranza 1960" an der Komischen Oper Berlin

05.10.2022 | Darin, dass Luigi Nonos 1960 unter großen Protesten von neofaschistischen Gruppierungen uraufgeführtes Werk, heute genauso aktuell ist wie vor mehr als 60 Jahren, sind sich die Akteure dieser spektakulären Aufführung an der Komischen Oper einig. „Das wichtigste politische Werk, das man spielen kann“, erklärt Regisseur Marco Štorman, und: „Das Anliegen und die Kraft, die Nono vertont, sind absolut aktuell.“ „Weg war er nie, der Krieg“, ist ein Satz aus dem begleitenden Text von Carolin Emcke. Erzählt wird die Geschichte eines Gastarbeiters, den es in die Heimat zurückzieht, der auf seinem Weg...Weiterlesen

"Lohengrin" in Lübeck

03.10.2022 | Mythologie und historische Ereignisse standen gleichermaßen „Pate“ bei Richard Wagners Oper über den geheimnisvollen Ritter, der nicht nach Name und Herkunft gefragt werden will: der „Traummann“, der am Ende keiner ist… Am Theater Lübeck inszenierte Anthony Pilavachi, als Regisseur in der Hansestadt bereits wohlbekannt. Nicht alles sieht so aus, wie man es vielleicht erwartet: Lohengrin erscheint nicht unbedingt heldenhaft, sondern mit weißem Dinner-Jacket. Vom Schwan bleiben nur die Federn, die der kleine längst getötete Gottfried immer wieder über die Bühne streut, – und die Edelknaben sind...Weiterlesen

"Der goldene Hahn" in Magdeburg

27.09.2022 | Rimsky-Korsakow schrieb diese Oper in den Jahren 1906/1907; uraufgeführt wurde sie 1909. Vor allem die Aufführung 1914 in Paris durch die Ballets russes sorgte für große Aufmerksamkeit und verschaffte dem Werk einen international bedeutenden Erfolg. Als Meilenstein in der Geschichte des Musiktheaters wurde die Pariser Inszenierung auch deshalb betrachtet, weil hier erstmals Sänger und Darsteller in verschiedenen Personen agierten: die Sänger von der Seite, die Darsteller/Tänzer auf der Bühne. In Magdeburg eröffnete die selten gespielte Oper die neue und erste Spielzeit des Intendanten Julien...Weiterlesen

"The Rake’s Progress" in Trier

22.09.2022 | Igor Strawinskis einzige große Oper, 1951 komponiert, handelt von dem Wunsch nach Glück. Dieses aber wird von den handelnden Personen unterschiedlich gesucht und interpretiert. Anne Truelove sehnt sich, wie der Name schon sagt, nach der wahren Liebe, während ihr Verlobter Tom Rakewell sich von Satan, in Gestalt von Nick Shadow, verführen lässt. Er habe drei Wünsche, so das Theater Trier, wo die Oper jetzt Premiere hatte: den Wunsch nach Vergnügen, nach absoluter individueller Freiheit und nach einer menschheitsbeglückenden Tat. „Doch all diese wünsche verkehren sich in ihr Gegenteil…“...Weiterlesen

"Der fliegende Holländer" in Mönchengladbach

20.09.2022 | Wagners frühe Oper gilt als Mischung aus Realismus und Legende. In Mönchengladbach inszenierte Roman Hovenbitzer die Oper zum Spielzeitauftakt und konzentriert sich insbesondere auf die Figur der Senta, deren Gefühle und ihr Ringen um Akzeptanz und Freiheit in einer Gesellschaft, in der die Männer das Sagen haben. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Holländer zu erlösen, aber das Konzept geht am Ende nicht auf. Hovenbitzer entscheidet sich, sie nicht den Opfertod sterben zu lassen. Vielmehr erkennt sie die wahre Natur des frischgebackenen Ehemannes. Senta als Kind taucht schon in der...Weiterlesen

"Paradise lost" in Weimar

15.09.2022 | „Wir waren friedlich“. Mit einem solchen Transparent protestieren 15 jugendliche Sängerinnen und Sänger im Rahmen einer Produktion des Kunstfests Weimar gegen die Ausbeutung der Natur. Jörn Arnecke ist der Komponist der jetzt uraufgeführten Oper „Paradise Lost“; Falk Richter hat das Libretto geschrieben – auf der Basis einer 800 Jahre alten Sufi-Dichtung, „Die Konferenz der Vögel“ von Farid du-Din Attar. Dort machen sich die Vögel auf die Suche nach Simurgh, dem König, der ihr Reich vor dem Untergang retten soll. Am Schluss finden sie heraus, dass nur sie selbst dazu imstande sind. In Weimar...Weiterlesen

"ambleto" in Hildesheim

13.09.2022 | Im Rahmen eines Trilogiekonzepts präsentiert das theater für niedersachsen in diesem Jahr den Hamlet-Stoff in drei verschiedenen Sparten und drei unterschiedlichen Regie- beziehungsweise Choreografie-Handschriften: als Schauspiel, Oper und Tanztheater. Das Bühnenbild aller drei Produktionen ist das gleiche. Entworfen hat es Ausstattungsleiterin Anna Siegrot. Es besteht hauptsächlich aus Türen. Siegrot stand vor der Aufgabe, eine Schnittmenge aus den Ideen der Regisseurinnen und der Choreografin herzustellen. Schauspielregisseurin Ayla Yeginer stellte sich eine Talkshow-Situation vor,...Weiterlesen

"Zettels Traum" in Hagen

09.09.2022 | „Zettel’s Traum“ von Arno Schmidt scheint sich zunächst denkbar schlecht für eine Adaption auf der Bühne, noch dazu im Musiktheater, zu eignen. Der Text („von niemandem (wirklich) gelesen“, wie das Theater schreibt), hat keine durchgehende Handlung. Im Mittelpunkt stehen der amerikanische Dichter Edgar Allan Poe und sein Werk. Über dieses schwadronieren die Figuren anlässlich eines Besuchs der Familie Jacobi bei einem Freund. Hagens Intendant Francis Hüsers scheint das Werk allerdings tatsächlich gelesen zu haben und hat nach Lektüren die Idee entwickelt, daraus ein Bühnenwerk zu machen, in...Weiterlesen

"Berlin Alexanderplatz" in Bielefeld

07.09.2022 | Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ hat, wie der Titel schon zum Ausdruck bringt, nicht nur den Protagonisten Franz Biberkopf, sondern auch die Stadt Berlin und die urbane Moderne im Fokus. Der Stoff war bereits mehrfach Grundlage für Adaptionen auf der Bühne, in Film oder Hörfunk. Jetzt hat das Theater Bielefeld einen Auftrag an die Komponisten Vivan und Ketan Bhatti sowie die Librettistin Christiane Neudecker erteilt, wobei Neudecker das Personal auf wenige Figuren reduziert. Zu erleben ist ein spartenübergreifendes Musiktheater. Verschiedene Klangwelten seien zu hören, schreibt...Weiterlesen

"Cosí fan tutte" in Schwetzingen (Nationaltheater Mannheim)

09.08.2022 | Das Theater im Schwetzinger Schloss ist ein Theater aus der Zeit Mozarts. Da passt es gut, dass das Nationaltheater Mannheim dieses Haus für einen Mozart-Da Ponte-Zyklus nutzt und mit "Cosí fan tutte" in der Regie von Tatjana Gürbaca einsteigt. „Mozart hören ist wirklich eine Schule des Lebens“, sagt sie im Interview. Und: „Was ich an diesem Stück von Mozart schon immer geliebt habe, ist, dass es wirklich funktioniert wie das Leben selber, dass nämlich Komödie und Tragödie die ganze Zeit Hand in Hand gehen. Man kann jede einzelne Sekunde dieses Stückes von beiden Seiten angucken. Man kann...Weiterlesen

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