Premierenberichte

"Innocence" in Bremen

21.09.2026 | Diese Oper der finnischen Komponistin Kaija Saariaho macht deutlich, dass ein traumatisches Geschehen lange nachwirken kann, auch wenn die Beteiligten versuchen, es hinter sich zu lassen. Die Hochzeit von Tuomas mit Stela gerät aus den Fugen: Der Bruder des Bräutigams hatte vor zehn Jahen bei einem Amoklauf an einer Schule Mitschüler und eine Lehrerin getötet. Die Braut erfährt erst am Tag der Hochzeit davon. Nach und nach wird aufgedeckt, dass die Schuld nicht allein beim Täter lag: Mobbing oder Wegsehen haben ihren Teil zur Katastrophe beigetragen. Gesungen wird in mehreren Sprachen. Das...Weiterlesen

"Fidelio" in Schwerin

17.09.2026 | „Im Inneren war ich immer frei.“ Dieses Zitat der belarussischen Widerstandskämpferin Maria Kalesnikava setzen das Mecklenburgische Staatstheater bzw. Regisseurin Kerstin Steeb als eine Art Motto über Beethovens einzige Oper. Steebs Inszenierung beschäftige sich mit der Wirkung von Angst, gleichzeitig werde die Verknüpfung Leonores mit der aktuellen politischen Figur zu einer „zeitgenössischen Geschichte über die Kraft, sich gemeinsam gegen Unterdrückung zu erheben“, so das Theater in der Einführung. Einige Texte Kalesnikavas werden in Beethovens Musik integriert. „Die Chorfrauen wurden...Weiterlesen

"Pique Dame" in Hannover

15.09.2026 | „Pique Dame“ ist nicht gerade ein fröhlicher Spielzeitauftakt, aber an der Staatsoper Hannover gelang der Einstieg in die neue Saison brillant. Regisseur Roland Schwab konzentriert sich in seiner Inszenierung vor allem auf die Figur des Hermann, auf dessen Spielsucht und seinen unbedingten Aufstiegswillen, symbolisiert durch die ins Unendliche führende Treppe auf der Hannoverschen Bühne, die gleichzeitig einen Effekt von Theater oder Show vermittelt. Hermann scheitert, verliert seine große Liebe und gleitet ab in den Wahnsinn. In Hannover singt die große Helen Donath die Rolle der alten...Weiterlesen

"Tancredi" in Köln

24.07.2026 | Im Alter von nur 21 Jahren schrieb Gioacchino Rossini mit „Tancredi“ bereits seine zehnte Oper und schaffte damit den internationalen Durchbruch als Opernkomponist. Heute ist sie nur sehr selten auf den Spielplänen zu finden – jetzt aber in Köln als letzte Premiere im Ausweichquartier Staatenhaus. In der kommenden Spielzeit geht es – endlich – wieder zurück ins Opernhaus. Die Oper Köln übernahm eine Inszenierung der Bregenzer Festspiele von Jan-Philipp Gloger – und tat gut daran. Gloger macht aus der von Rossini angedachten Hosenrolle des Tancredi, die von einer Mezzosopranistin gesungen wird...Weiterlesen

"Rigoletto" in Regensburg

22.07.2026 | Auch in Regensburg wurde zum Ende der Spielzeit Verdis „Rigoletto“ ins Programm genommen. Direkt nach der Uraufführung ein großer Publikumserfolg gehört die Oper auch heute noch zu den meistgespielten weltweit. Am Staatstheater Regensburg mache Regisseur Carlos Wagner aus dem Werk eine sehr plausible und augenfällige Kapitalismus-Kritik, berichtet der Bayerische Rundfunk (BR): „Sehr plausibel, wie Carlos Wagner diesen tragischen Konflikt erzählt, und sehr augenfällig, wie Ausstatter Christophe Ouvrard ihn bebildert.“ Ein BMW, der dem Herzog für den Missbrauch junger Frauen dient, und ein...Weiterlesen

"Rigoletto" in Karlsruhe

17.07.2026 | Giuseppe Verdis Oper beruht auf dem Melodrama „Le roi s’amuse“ von Victor Hugo von 1832. Nach der Lektüre wusste Verdi gleich, dass sich hieraus ein geeignetes Libretto für eine Oper machen ließe. Librettist Francesco Maria Pieve hielt sich denn auch in großen Teilen an die Vorlage - bis auf einige Änderungen, die auch der Zensur geschuldet waren. Der machtvolle Herzog, der glaubt, sich gegenüber Frauen alles erlauben zu können, entbehrt nicht einer gewissen Aktualität. Den Herzog als Frauenheld und -verführer stellt Regisseurin Anna Drescher differenziert dar: „Ein starkes Bild von innerer...Weiterlesen

"Werther" in Freiburg

14.07.2026 | Johann Wolfgang von Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ veranlasste nicht nur eine Reihe von jungen Männern kurz nach Erscheinen dazu, es dem Titelheld gleichzutun und sich das Leben zu nehmen, sondern auch mehrere Komponisten, das Werk für das Musiktheater zu nutzen. 1892 machte Jules Massenet eine große Oper aus Goethes Roman. Es gehe um „Liebe im Ausnahmezustand“ erklärt Regisseur Felix Rothenhäusler, der das Werk am Theater Freiburg inszenierte. Goethe habe seine beiden Hauptfiguren als Brandraketen bezeichnet. Und genau darum gehe es: „um Intensität, die wir im Alltag oft...Weiterlesen

"Zar und Zimmermann" an der Deutschen Oper Berlin

09.07.2026 | Jüngere Opernbesucherinnen und -besucher haben kaum die Möglichkeit, Opern von Albert Lortzing auf der Bühne zu sehen. Gehörte die komische Oper „Zar und Zimmermann“ vor etwa 30 Jahren noch zum Repertoire deutscher Stadt- und Staatstheater, ist sie heute von den Spielplänen fast verschwunden. Und das, obwohl sie „zweifellos eine der gelungensten musikalischen Komödien ihrer Zeit“ gewesen sei und auch heute noch eine „zeitlose Menschlichkeit“ zeige, so die Deutsche Oper Berlin in der Programmankündigung. Regisseur Martin G. Berger habe sich in den letzten Jahren als einer der erfolgreichsten...Weiterlesen

"Die Meistersinger von Nürnberg" in Ulm

07.07.2026 | „Die ‚Meistersinger‘ sind zutiefst menschlich, warmherzig, poetisch“, schreibt das Theater Ulm in seiner Einführung zu Richard Wagners Oper. Der scheidendene Ulmer Intendant Kay Metzger hat inszeniert und durch Kostüme und eingespielte Videos einen deutlichen Gegenwartsbezug des Werks, das ursprünglich im 16. Jahrhundert spielt, hergestellt. „Metzger ist zum Abschied eine leichte und durchdachte Inszenierung gelungen, die nicht die relevanten Themen wegdrückt, sondern sie nahe an das Publikum heranrückt“, schreibt die Deutsche Bühne. Er halte „den Spagat zwischen Heiterkeit und Genauigkeit,...Weiterlesen

"Der Florentiner Hut" in Wuppertal

03.07.2026 | Nicht nur in Dresden, auch in Wuppertal hat man Nino Rotas „Farsa musicale“ zum Spielzeitende aufs Programm gesetzt. Rota, als Filmkomponist berühmt, wollte sich nie auf dieses Genre reduzieren lassen und schrieb unter anderem mehrere Opern. „Der Florentiner Hut“ zeichnet sich durch eine skurrile Handlung und schmissige Musik aus und kommt beim Wuppertaler Publikum sehr gut an. Die Besucher*innen erleben eine quirlige Geschichte vor einem abwechslungsreichen und fantasievollen Bühnenbild. „Die Inszenierung (Laura Attridge) besticht durch rasantes Tempo und Ideenreichtum. Bei allem Tohuwabohu...Weiterlesen

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