Premierenberichte

"Ruslan und Ljudmila" in Hamburg

26.11.2025 | Michail Glinkas selten gespielte Oper basiert auf einem Märchen Puschkins. Prinzessin Ljudmila soll den Prinzen Ruslan heiraten, wird aber während der Hochzeit entführt. Die Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka verorten das Geschehen in einem autokratischen System. Heute werfe die Oper die Frage auf: Wie lässt es sich leben und lieben in einem restriktiven System, das die Behauptung von Sicherheit über das Grundbedürfnis von Freiheit und Gleichheit stellt?, so die Hamburgische Staatsoper in der Ankündigung. „Wir lesen dieses Märchen (…) neu und interessieren uns für...Weiterlesen

"Lucia di Lammermoor" in Altenburg-Gera

20.11.2025 | Die Belcanto-Oper schlechthin ist dieses Werk von Gaetano Donizetti, gipfelnd in der so genannten Wahnsinnsarie der Titelfigur. Aber gerade Lucia sei nicht wahnsinnig, erklärt Regisseurin Elena Maria Artisi im Programmheft-Interview. Ihr Name bedeute „die Leuchtende“ – „eine Lichtgestalt inmitten einer Masse, die über alles ein dunkles Verdrängen legen will“. Artisi deutet die Oper feministisch: Lucia erlebt ihr Dasein als „traumatisierende Gewalterfahrung in einer von männlicher Dominanz beherrschten, stets gewaltbereiten Umgebung“, schreibt das Theater auf seiner Webseite. Noch einmal die...Weiterlesen

"Der feurige Engel" in Bremen

18.11.2025 | Sergej Prokofjew hat acht Opern komponiert, von denen nur „Die Liebe zu den drei Orangen“ ins Repertoire vieler Theater gefunden hat. Für sein Werk „Der feurige Engel“, nach dem gleichnamigen Roman von Waleri Jakowlewitsch Brjussow, schrieb der Komponist selbst das Libretto. Die Hauptfigur Renata kann sich von schlimmen Erfahrungen aus ihrer Kindheit und Jugend nicht lösen; sie trifft auf Ruprecht, der sie liebt und unterstützen will. Aber: „Die beiden können weder mit- noch ohneeinander sein“, so das Theater Bremen, wo die selten gespielte Oper jetzt ihre umjubelte Premiere feierte. „...Weiterlesen

"Tosca" in Saarbrücken

13.11.2025 | Puccinis weltweit aufgeführte „Tosca“ handelt von Kunst und Politik, von Unterdrückung – und von Machtmissbrauch. Dem Polizeichef Baron Scarpia geht es letztendlich „nur“ um eine Nacht mit der Titelfigur, und er findet einen Weg, sie dazu zu erpressen. „In weniger als 24 Stunden überschlagen sich in diesem Opern-Thriller die Ereignisse“, beschreibt das Staatstheater Saarbrücken das Geschehen. Das wurde spannend und überzeugend dargestellt – szenisch wie musikalisch. „In der Tat geht es Dietz aber, einem mit allen Theater-Wassern gewaschenen Routinier, zentral wohl um die Macht – und deren...Weiterlesen

"Der Liebestrank" in Gießen

11.11.2025 | Einen (anderen) Liebestrank kennt man aus dem Musiktheater. Aber im Gegensatz zu Wagners „Tristan“ haben sich Gaetano Donizetti und sein Librettist Felice Romani für eine komische Oper mit allerlei Verwirrungen, Verführungen und Manipulationsversuchen sowie einem Happy End entschieden. Am Theater Gießen war das Ende auch insofern glücklich, als das Premierenpublikum begeistert applaudierte. Verortet ist das Geschehen im Italien der 1950er Jahre; Wäscheleinen spielen vor allem im ersten Teil eine wichtige Rolle, und Dulcamara schwebt in einem Heißluftballon auf die Bühne. Regisseurin Tamara...Weiterlesen

"Cosí fan tutte" in Dessau

05.11.2025 | Zu Beginn fand diese letzte von Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte gemeinsam geschaffene Oper nicht die gleiche Zustimmung wir ihre vorhergegangenen Werke. Erst im 20. Jahrhundert bekam sie die Anerkennung, die sie verdiente und bis heute genießt. Das Verwechselspiel, das dazu dienen soll, die Treue von Fiordiligi und Dorabella auf den Prüfstand zu stellen, endet am Anhaltischen Theater in Dessau mit einem Vulkanausbruch – Anspielung auf den „Vesuv“ im Wörlitzer Park. Ansonsten zeichnet sich die Inszenierung von Dessaus Intendanten Johannes Weigand durch eine klare Regiesprache aus...Weiterlesen

"Don Giovanni" in Hannover

30.10.2025 | „Die Inszenierung von Bastian Kraft und seinem Team befragt „Don Giovanni“ nach den Lebensbildern des radikal Rücksichtslosen, der den eigenen Tod bereits kommen sieht und sich doch noch einmal ans Leben krallt.“ So lesen wir auf der Webseite der Niedersächsischen Staatsoper über die Neu-Inszenierung dieser Mozart-Da Ponte-Oper, die zu den meistgespielten auf deutschen Bühnen gehört. „Hier geht es um echte Menschen“, erklärt Dirigent Mario Hartmuth im Programmheft-Interview. „Dabei faszinieren mich auch die so komplex gezeichneten Figuren der Oper. Deren jeweilige Individualität...Weiterlesen

"Aida" in Darmstadt

28.10.2025 | Giuseppe Verdis Oper sei ein musiktheatralischer Meilenstein zwischen großem Opernspektakel und psychologischem Kammerspiel, so das Staatstheater Darmstadt in der Programmankündigung. Die israelische Regisseurin Noa Naamat beleuchte die zentralen Fragen des Werks aus einer heutigen Perspektive. Tatsächlich erlebt das Publikum in Darmstadt ein Szenario, das es auch aus aktuellen Nachrichtensendungen kennt: zerstörte Häuser, Trümmer, in denen Kinder spielen, Tod… „Mit dieser Inszenierung gelingt Noa Naamat ein beispielhaftes Plädoyer für Verständnis, Mitgefühl und gegenseitigem Respekt als...Weiterlesen

"Peter Grimes" in Bielefeld

23.10.2025 | „Je bösartiger die Gesellschaft, desto bösartiger der Einzelne“ -davon war Benjamin Britten überzeugt, dies manifestiert sich auch in seinem Frühwerk „Peter Grimes“, das als eines der größten Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts betrachtet wird. Die Idee zur Geschichte kam Britten, nachdem er George Crabbes Gedicht „The Borough“ gelesen hatte. Am Theater Bielefeld stand nun die Premiere dieses komplexen Werkes auf dem Programm. Die Kritiker überschlagen sich regelrecht in ihrer Begeisterung. „Eine „absolut sehenswerte Inszenierung“ hat der Kritiker des Opernfreundes erlebt. „Eine...Weiterlesen

"Nabucco" in Bonn

21.10.2025 | „Roland Schwab stellt in seiner Inszenierung die Themen Gefangenschaft und Macht ins Zentrum.“ So schreibt es das Theater Bonn in seiner Einführung zu Verdis Oper. Und tatsächlich erscheint das Einheitsbühnenbild in Bonn als Gefängnis. Und auch der absolute Machtanspruch der Titelfigur sowie später der seiner Tochter Abigaille werden in Schwabs Inszenierung deutlich. Nicht zuletzt durch die schon vor Beginn der Ouvertüre auf dem Vorhang erscheinenden Worte: „Der Fanatismus ist das tödliche Metronom, ohne das die Wiegenlieder des Terrors nie erklängen.“ „Insgesamt gelingt es Schwab in seiner...Weiterlesen

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