Premierenberichte

"Lear" an der Komischen Oper Berlin

01.10.2026 | „Das ist die Oper, die der Hangar braucht“, titelt der Tagesspiegel anlässlich der Spielzeiteröffnung der Komischen Oper Berlin, die jetzt schon traditionsgemäß im Hangar 4 des Flughafens Tempelhof stattfand. Nach Harry Kupfer (1983) und Hans Neuenfels (2009) ist Barrie Kosky bereits der dritte Regisseur, der Aribert Reimanss 1978 uraufgeführte Oper für die Komische Oper inszeniert, diesmal eben auf der riesigen Fläche des Hangars. Kosky setze auf die Magie des Ortes, so der Online-Merker. Ein unaufwändiges Bühnenbild und großer Lichteinsatz helfen dabei. Lear ist hier ein Mensch der...Weiterlesen

"Mittwoch aus Licht" an der Deutschen Oper Berlin

29.09.2026 | Herausforderung, Wagnis – oder ein „Coup“, wie die FAZ schreibt: Die Deutsche Oper ist mit Karlheinz Stockhausens „Mittwoch aus Licht“, Teil eines siebenteiligen Opernzyklus, in die neue Spielzeit gestartet und hat damit das Werk erstmals szenisch im deutschsprachigen Raum umgesetzt. „Nicht weniger als ein kosmisches Welttheater um Mann und Frau, Gut und Böse, Geburt und Tod“ entwerfe der Klangvisionär Stockhausen in seinem monumentalen Zyklus, so die Deutsche Oper in der Einführung. Anders als in den anderen Teilen werde „im ‚Mittwoch‘ die Utopie der Liebe und der spirituellen Verbindung im...Weiterlesen

"Macbeth" in Hamburg

24.09.2026 | Giuseppe Verdis „Macbeth“ sei im Kontext der italienischen Oper und seiner Entstehungszeit ein überaus radikales und experimentelles Werk, erklärt Tobias Kratzer, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, der Verdis erste Shakespeare-Oper selbst inszenierte. Er stattet das eigentlich kinderlose Paar Macbeth mit einem Sohn aus, um einer gängigen Interpretation zu begegnen, das Paar handle wegen seiner Kinderlosigkeit so grausam. Kratzer möchte den Ursachen der Handlungen auf den Grund gehen: „In dem Moment, in dem man beginnt, auch die schlimmsten Taten zu verstehen, sie nicht zu entschuldigen...Weiterlesen

"Innocence" in Bremen

21.09.2026 | Diese Oper der finnischen Komponistin Kaija Saariaho macht deutlich, dass ein traumatisches Geschehen lange nachwirken kann, auch wenn die Beteiligten versuchen, es hinter sich zu lassen. Die Hochzeit von Tuomas mit Stela gerät aus den Fugen: Der Bruder des Bräutigams hatte vor zehn Jahen bei einem Amoklauf an einer Schule Mitschüler und eine Lehrerin getötet. Die Braut erfährt erst am Tag der Hochzeit davon. Nach und nach wird aufgedeckt, dass die Schuld nicht allein beim Täter lag: Mobbing oder Wegsehen haben ihren Teil zur Katastrophe beigetragen. Gesungen wird in mehreren Sprachen. Das...Weiterlesen

"Fidelio" in Schwerin

17.09.2026 | „Im Inneren war ich immer frei.“ Dieses Zitat der belarussischen Widerstandskämpferin Maria Kalesnikava setzen das Mecklenburgische Staatstheater bzw. Regisseurin Kerstin Steeb als eine Art Motto über Beethovens einzige Oper. Steebs Inszenierung beschäftige sich mit der Wirkung von Angst, gleichzeitig werde die Verknüpfung Leonores mit der aktuellen politischen Figur zu einer „zeitgenössischen Geschichte über die Kraft, sich gemeinsam gegen Unterdrückung zu erheben“, so das Theater in der Einführung. Einige Texte Kalesnikavas werden in Beethovens Musik integriert. „Die Chorfrauen wurden...Weiterlesen

"Pique Dame" in Hannover

15.09.2026 | „Pique Dame“ ist nicht gerade ein fröhlicher Spielzeitauftakt, aber an der Staatsoper Hannover gelang der Einstieg in die neue Saison brillant. Regisseur Roland Schwab konzentriert sich in seiner Inszenierung vor allem auf die Figur des Hermann, auf dessen Spielsucht und seinen unbedingten Aufstiegswillen, symbolisiert durch die ins Unendliche führende Treppe auf der Hannoverschen Bühne, die gleichzeitig einen Effekt von Theater oder Show vermittelt. Hermann scheitert, verliert seine große Liebe und gleitet ab in den Wahnsinn. In Hannover singt die große Helen Donath die Rolle der alten...Weiterlesen

"Tancredi" in Köln

24.07.2026 | Im Alter von nur 21 Jahren schrieb Gioacchino Rossini mit „Tancredi“ bereits seine zehnte Oper und schaffte damit den internationalen Durchbruch als Opernkomponist. Heute ist sie nur sehr selten auf den Spielplänen zu finden – jetzt aber in Köln als letzte Premiere im Ausweichquartier Staatenhaus. In der kommenden Spielzeit geht es – endlich – wieder zurück ins Opernhaus. Die Oper Köln übernahm eine Inszenierung der Bregenzer Festspiele von Jan-Philipp Gloger – und tat gut daran. Gloger macht aus der von Rossini angedachten Hosenrolle des Tancredi, die von einer Mezzosopranistin gesungen wird...Weiterlesen

"Rigoletto" in Regensburg

22.07.2026 | Auch in Regensburg wurde zum Ende der Spielzeit Verdis „Rigoletto“ ins Programm genommen. Direkt nach der Uraufführung ein großer Publikumserfolg gehört die Oper auch heute noch zu den meistgespielten weltweit. Am Staatstheater Regensburg mache Regisseur Carlos Wagner aus dem Werk eine sehr plausible und augenfällige Kapitalismus-Kritik, berichtet der Bayerische Rundfunk (BR): „Sehr plausibel, wie Carlos Wagner diesen tragischen Konflikt erzählt, und sehr augenfällig, wie Ausstatter Christophe Ouvrard ihn bebildert.“ Ein BMW, der dem Herzog für den Missbrauch junger Frauen dient, und ein...Weiterlesen

"Rigoletto" in Karlsruhe

17.07.2026 | Giuseppe Verdis Oper beruht auf dem Melodrama „Le roi s’amuse“ von Victor Hugo von 1832. Nach der Lektüre wusste Verdi gleich, dass sich hieraus ein geeignetes Libretto für eine Oper machen ließe. Librettist Francesco Maria Pieve hielt sich denn auch in großen Teilen an die Vorlage - bis auf einige Änderungen, die auch der Zensur geschuldet waren. Der machtvolle Herzog, der glaubt, sich gegenüber Frauen alles erlauben zu können, entbehrt nicht einer gewissen Aktualität. Den Herzog als Frauenheld und -verführer stellt Regisseurin Anna Drescher differenziert dar: „Ein starkes Bild von innerer...Weiterlesen

"Werther" in Freiburg

14.07.2026 | Johann Wolfgang von Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ veranlasste nicht nur eine Reihe von jungen Männern kurz nach Erscheinen dazu, es dem Titelheld gleichzutun und sich das Leben zu nehmen, sondern auch mehrere Komponisten, das Werk für das Musiktheater zu nutzen. 1892 machte Jules Massenet eine große Oper aus Goethes Roman. Es gehe um „Liebe im Ausnahmezustand“ erklärt Regisseur Felix Rothenhäusler, der das Werk am Theater Freiburg inszenierte. Goethe habe seine beiden Hauptfiguren als Brandraketen bezeichnet. Und genau darum gehe es: „um Intensität, die wir im Alltag oft...Weiterlesen

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