Walter Kane

Der am 6. Mai 1915 in Hochspeyer/Pfalz als Sohn eines Königlichen Eisenbahnsekretärs geborene Walter Georg Kane wuchs in einem streng katholischen, durchaus national gesinnten, eher kleinbürgerlichen Elternhaus auf.

Auf Grund seines Interesses für Technik erlernte das Schlosser-Handwerk und ebnete sich dann mit der nachgeholten "mittleren Reife" den Weg zum Studium des Maschinen- und Heizungsbaus an der Rheinischen Ingenieurschule in Mannheim. Seine Techniker-Karriere endete jäh mit der Einberufung zum Wehrdienst, an den sich nahtlos der Kriegsdienst anschloss. Als Feldwebel im Bodendienst entdeckte ein Vorgesetzter Walter Kanes Stimme. Die Gesangsausbildung im Casino machte ihn zum Hobby-Truppenbetreuer, den die abendliche Aufforderung "Walter, sing uns eins!" sich ein erstes Volks- und Kunstliedrepertoire erarbeiten ließ.

1947 begann er mit dem professionellen Gesangsstudium am Badischen Konservatorium - Hochschule für Musik in Karlsruhe, 1950 übernahm er erste Partien am Stadttheater Würzburg und tingelte mit anspruchsvollen Liederabenden durch die Konzertsäle. 1952 engagierte ihn Wilhelm Pitz erstmals in den Bayreuther Festspielchor, von wo er den Weg in den Chor der Oper Köln fand. Dort wurde er wegen "betriebsstörender gewerkschaftlicher Umtriebe" fristlos gekündigt, was - obschon die Stadt ihn aufgrund eines Beschlusses des Bühnenschiedsgerichts wieder einstellen musste - seinen Zorn über die rechtlose Stellung der Chorsänger weiter genährt haben dürfte. Deren schlechte Bezahlung besserte er für sich selbst auf, indem er insbesondere in Bayreuth auch als Theaterfotograf tätig wurde.

Bayreuths Festspielchordirektor Wilhelm Pitz war es, der einem der Wortführer der Unzufriedenen, dem Karlsruher Bariton Walter Kane, den Weg wies. Pitz empfahl ihn an den DOV-Geschäftsführer Hermann Voss in Düsseldorf. Der mochte allerdings der Vorstellung Kanes, die Sänger in den Chören, die Mitglieder der Tanzgruppen könnten sich der DOV als eigene Berufsgruppen anschließen, nicht folgen. Er riet Kane zur Gründung eines eigenen Berufsverbandes, vermittelte ihm auch erste Kontakte zum Dachverband der DOV, zur Deutschen Angestellten-Gewerkschaft. Innerhalb der DAG zeigte sich Kane als gelehriger Schüler in Sachen Berufsverbands- und Gewerkschaftsarbeit. Schon im Jahr darauf, am 22. Juni 1959, wählten 19 Opernchorsänger bei einem Treffen in Düsseldorf Willi Moortz zu ihrem Vorsitzenden, verabschiedeten eine Vereinssatzung, bestellten Walter Kane zum Geschäftsführer und errichteten die VdO.

Sein Leben für die VdO, welche im Laufe der Jahre zu einer mitgliederstarken Organisation anwuchs, wurde auch öffentlich gewürdigt: 1973 erhielt Kane das Bundesverdienstkreuz, 1981 wurde ihm das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 1990 legte er die VdO-Geschäftsführung nieder, arbeitete aber als Ehrenvorsitzender der VdO an der von ihm gegründeten Zeitschrift "Oper & Tanz" weiter mit. Zudem war er maßgeblicher Initiator der Stiftung des Wilhelm-Pitz-Preises, der regelmäßig im Rahmen der Bayreuther Richard Wagner-Festspiele von der VdO verliehen wird, und nahm bis zu guter Letzt seine Aufgaben als Juror dieses Preises wahr. Er tat all dies ohne Rücksicht auf seine schwindenden Kräfte, denn noch wenige Minuten vor seinem schnellen Tod (am 1. März 2005) gab er noch telefonisch Korrekturen für die darauf gedruckte Ausgabe der Zeitschrift "Oper&Tanz" durch.