Mit dieser frühen Oper von Richard Wagner, uraufgeführt 1845, war der Komponist selbst nicht recht zufrieden. Für die Aufführung in der Pariser Grand Opéra im Jahr 1861 arbeitete er es entscheidend um. Und trotzdem glaubte er im Alter, der Welt „noch einen Tannhäuser schuldig zu sein“. Am Theater Kiel entschieden sich Regisseur Daniel Karasek und Gastdirigent Hendrik Vestmann für die „Pariser Fassung“. Tannhäuser im Venusberg ist allen erotischen und sexuellen Erfahrungen gegenüber offen, er wird hier als bisexuelle Figur gezeigt. „Ich will alles“, steht auf dem Vorhang während des Vorspiels. Der Venusberg erweist sich – vor allem im Gegensatz zum faschistisch anmutenden Sängerfest auf der Wartburg – als eine diverse und offene Welt, in der die Kunst frei ist. „Dieser ‚Tannhäuser‘ wird bei Daniel Karasek und seinem Team zur Warnung vor einem reaktionären Rückschritt, der schrittweise von der Demokratie in die Diktatur eines neuen Mittelalters führen kann“, schreibt Concerti. Die Erinnerung an deutsche Geschichte ebenso wie der Blick auf heutige Versuche, die Kunstfreiheit einzuschränken, liegen nahe. „Wie wollen wir leben – radikal individualistisch oder angepasst gesellschaftskonform? (…) Und welche Art Kunst ist die richtige – Grenzen sprengender Tabubruch in der Avantgarde oder maßvoll reflektiertes Weiterentwickeln der Tradition?“ So fragt das Theater Kiel in der Programmankündigung. Diese Inszenierung versucht eine Antwort. Das Foto (Olaf Struck) zeigt das Tanzensemble und Michael Müller-Kasztelan als Tannhäuser.








