Neues Opernhaus in Nürnberg nimmt Gestalt an und ist im Zeitplan

Auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände in Nürnberg macht der Bau des neuen Opernhauses sichtbare Fortschritte. „Die Probebühne ist bis auf den Bühnenboden nahezu fertig“, sagt Thomas Brejschka, Projektleiter der Stadt. Wo später die eigentliche Bühne entsteht, klafft derzeit allerdings noch ein tiefes Loch. In Spitzenzeiten arbeiten mehr als 200 Handwerker auf der Baustelle. Die Arbeiten liegen laut Bauunternehmen Georg Reisch aber im Zeitplan. Im Mai 2027 sollen erste technische Anlagen in Betrieb genommen und getestet werden. Das Staatstheater will das neue Opernhaus und Teile der angrenzenden Kongresshalle ab der Spielzeit 2028/2029 nutzen. Während das historische Opernhaus in der Innenstadt saniert wird, sollen sie der Opern- und Ballettsparte als Ausweichspielstätte dienen.

Das neue Haus bietet moderne Bühnentechnik, bessere Sichtverhältnisse und mehr Platz für das Orchester. Neben- und Hinterbühne ermöglichen zudem, Bühnenbilder aufgebaut zu lagern und direkt auf die Bühne zu schieben. Allerdings wird das neue Opernhaus mit 800 Plätzen deutlich kleiner sein als die bisherige Spielstätte mit mehr als 1.000 Sitzplätzen. Für das Publikum könnte es dadurch schwieriger werden, Karten außerhalb des Abonnements zu bekommen. Auch mit Einnahmeverlusten rechnet das Theater.

Eine besondere Rolle spielt der Umgang mit der Geschichte des Ortes. Die rund 6.500 Quadratmeter große Fassade soll künftig von Efeu, wildem Wein und anderen Rankpflanzen begrünt werden. Der Entwurf des Architekturbüros LRO erinnert damit auch an den Wald, der für den Bau der monumentalen Kongresshalle von den Nationalsozialisten gerodet wurde.

Die Kongresshalle selbst steht bis heute als unvollendeter NS-Bau für den Größenwahn und das Scheitern des Regimes. Die Bauarbeiten wurden nach Beginn des Zweiten Weltkriegs eingestellt; erhalten blieb ein hufeisenförmiger Rohbau. Der neue Bühnenturm bleibt bewusst niedriger als die Kongresshalle, damit der Blick auf deren unfertige Fassade erhalten bleibt.

Auch die Kongresshalle soll künftig behutsam zu einem Kulturort umgebaut werden. Geplant sind unter anderem Foyer, Garderoben, Büros, Werkstätten und Proberäume sowie Ateliers und Veranstaltungsflächen für die freie Kunst- und Kulturszene.

Foto: David Klumpp/Staatstheater Nürnberg