Was verbindet Cervantes’ berühmten Don Quijote mit der Geschichte Rheinsbergs? Dieser Frage widmet sich die Kammeroper Schloss Rheinsberg. In einem kleinen Vorgeschmack zu Ostern teasert die Kammeroper den Festivalsommer 2027 und dessen Thema „WIE WAHR“ an. Zwischen historischen Schauplätzen und künstlerischer Fantasie folgt das Publikum den Spuren der Romanfigur Don Quijote und entdeckt überraschende Verbindungen zu Rheinsbergs kultureller Vergangenheit. Dabei wird die Frage nach Wahrheit und Irrtum selbst zum Gegenstand des Bühnengeschehens.
Die Verbindung zwischen Don Quijote und Rheinsberg reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits Prinz Heinrich von Preußen beschäftigte sich mit Miguel de Cervantes’ Roman und besaß mehrere Ausgaben des Werks. Eine weitere Spur führt zu Heinrich von Kleist, der 1809 in einem Brief einen eigenen „Don Quijote“ erwähnte. Das Manuskript gilt bis heute als verschollen und bildet den Ausgangspunkt für eine künstlerische Annäherung an das, was die Geschichte offenlässt. Wie dieses Werk ausgesehen haben könnte, ist daher eine Frage, der sich die Kleist-Expertin Francesca Rubén in ihrer Bearbeitung für die Rheinsberger Inszenierung widmet.
Diese historische Spurensuche führt das Publikum derweil an zwei geschichtsträchtige Spielorte. Den Auftakt bildet das erste Theater Rheinsbergs, das Heckentheater, in dem Kleists verschollener „Don Quijote“ in einem spielerisch-surrealen Vorspiel aufgegriffen wird. Anschließend führt ein gemeinsamer Spaziergang am See entlang Richtung Schlosstheater. Dort begegnet Don Quijote in Manuel de Fallas „Meister Pedros Puppenspiel“ eigens für die Inszenierung geschaffenen Puppen, die von Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin zum Leben erweckt werden, und beobachtet ein Schauspiel, das seine Wahrnehmung auf die Probe stellt.
Don Quijote ist ein Mann, für den die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Vorstellung verschwimmen, der Riesen sieht, wo Windmühlen stehen. Doch was geschieht, wenn wir das, was uns gezeigt wird, für wahr halten? Wie zuverlässig ist unsere Wahrnehmung und wie leicht lassen wir uns täuschen?
Diesen Fragen widmet sich ein vielseitiges künstlerisches Team. Für die musikalische Gestaltung sorgt die Kammerakademie Potsdam. Erstmals steht das Orchester dabei unter der Leitung von Maria Keller. Diese kehrt in neuer Funktion nach Rheinsberg zrück, wo sie bereits künstlerische Erfahrungen sammeln konnte. Auch für die szenische Umsetzung konnte mit Emilie Lauwers eine Künstlerin gewonnen werden, die eine besondere Verbindung zu Don Quijote mitbringt. Sie verantwortet Regie, Bühne, Kostüme und Puppen. Cervantes’ Roman beschäftigt sie schon seit ihrer Jugend: Bereits mit 18 Jahren las sie das umfangreiche Werk vollständig. Nun bringt sie ihre langjährige Begeisterung für die Figur in die Rheinsberger Inszenierung ein. Musik, Schauspiel, Puppenspiel und bildende Kunst greifen dabei ineinander. Aus den unterschiedlichen künstlerischen Handschriften, historischen Spuren und musikalischen Werken entsteht ein vielschichtiges Opernabenteuer, das sich ebenso wenig in eine Schublade stecken lässt wie sein berühmter Held.
Und so fantasievoll Don Quijotes Welt auch sein mag, die Fragen, die sie aufwirft, sind erstaunlich gegenwärtig. Mit Künstlicher Intelligenz, Deepfakes und Falschmeldungen hat die Täuschung heute eine neue Dimension erreicht. Wo es einst eines ganzen Puppenspiels bedurfte, um Wirklichkeit und Vorstellung verschwimmen zu lassen, genügt heute mitunter ein einziges täuschend echtes, KI-generiertes Video.
So schlägt die Osterproduktion zugleich einen Bogen in unsere Gegenwart und gibt einen Vorgeschmack auf den Festivalsommer 2027, der die Grenzen zwischen Wahrheit, Täuschung und Wirklichkeit erkundet.
Passend zum Auftakt an Ostern wird auch das Ticketangebot erweitert: Mit dem neuen Angebot „30 unter 30“ können alle unter 30 Jahren für nur 30 Euro auf jedem Platz Oper erleben. Das gilt nicht nur für die Osterproduktion, sondern auch für den Festivalsommer 2027, dessen Vorverkauf am 1. Februar startet.
Vorstellungstermine:
Premiere: Donnerstag, 25. März 2027, 18 Uhr
Karsamstag: 27. März 2027, 16 Uhr
Ostersonntag: 28. März 2027, 16 Uhr
Spielorte: Historisches Heckentheater und Schlosstheater Rheinsberg
Jeweils 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn geben Jelle Dierickx und Nicola Willeke, künstlerisches Team der Musikkultur Rheinsberg, in der Remise am Schloss eine Einführung in die Produktion.








