Carsten Brosda setzt sich für Berlinale-Intendantin und Kunst-Freiheit ein 

(PM) Nach der heutigen Krisensitzung zur Ausrichtung der Berlinale werden die Gespräche fortgesetzt. Bühnenvereinspräsident Carsten Brosda erklärt dazu: »Es ist fatal, dass die Zukunft von Tricia Tuttle an der Spitze der Berlinale überhaupt in Frage steht. Unter ihrer souveränen Leitung standen bei der Berlinale in diesem Jahr herausragende Filme im Mittelpunkt einer Welt voller Krisen. Das Festival war deshalb nicht nur notgedrungen auch ein Ort der Kontroverse. Künste offerieren neue Perspektiven, sie rütteln auf und verstören, inspirieren und irritieren. Ein Festival ist immer ein Ort, an dem nicht nur ästhetische, sondern auch politische Fragen kontrovers debattiert werden. Das zu fördern, ist Ausdruck liberaler Gesellschaftsordnungen.

Ich hoffe, dass alle, die derzeit über die Zukunft der Berlinale diskutieren, sich Tricia Tuttles kluge Positionierung zu Beginn des diesjährigen Festivals ins Gedächtnis rufen: Es gibt viele Arten von Kunst und ebenso viele Arten, politisch zu sein. Die individuellen Herangehensweisen unterscheiden sich dabei erhelblich. Bei der Berlinale wurde der Ruf nach freier Meinungsäuerung laut. Und freie Meinungsäußerung findet hier statt. 

Das muss auch in Zukunft gelten. Es ist ein Problem, wenn der Eindruck entsteht, dass die Bundesrepublik Deutschland diese Freiheit nicht aushält.

Freiheit bedeutet schließlich auch die Freiheit zum öffentlichen Widerspruch. Sie beruht geradezu darauf, denn aus diesem Widerspruch entstehen Diskurs, Verständigung und Aufklärung. Daran wachsen Demokratien. 
Wenn Staat und Regierung diesen bisweilen anstrengenden Prozess nicht ertragen, beschädigen sie nicht nur nachhaltig die Kunstfreiheit, sondern auch den demokratischen Grundkonsens. Ich habe Sorge, dass genau das gerade passiert.«