"Wozzeck" am Musiktheater im Revier

„Kann eine Gesellschaft, die das Recht des Stärkeren zur brutalen Maxime erhoben und sich die Humanität aus dem eigenen Wertesystem herausgeschnitten hat, nur monströse Täter hervorbringen?“ – fragt das Musiktheater im Revier in der Einführung in Alban Bergs Oper, basierend auf Georg Büchners Dramenfragment. Ilaria Lanzino gibt mit dieser Oper ihren Regie-Einstand am MIR, und dieser wird in den Kritiken einhellig bejubelt. Sie verlegt die Handlung in die letzte Phase der Herrschaft der Nationalsozialisten und des zweiten Weltkriegs. Nicht Wozzeck ist am alleruntersten Rand der Befehls- und Unterdrückungskette. In dieser Interpretation sind es die Juden. Damit stehe Wozzeck „auf einmal vor den Fragen von Gehorsam und Verantwortung“, so die neue musikzeitung (nmz). Und: „Ilaria Lanzino legt mit ihrem Regie-Debüt am Gelsenkirchener Haus eine bemerkenswerte Interpretation vor, die in jedem Augenblick berührt, in jedem Moment absolut stimmig ist und einen hochsensiblen Umgang mit dem so heiklen Nazi-Sujet pflegt.“ „Ilaria Lanzino und ihr Team gelingt zu Beginn der Saison ein großer Wurf. Sie zeigt, was Musiktheater kann und soll“, findet auch theater pur. Die Recklinghäuser Zeitung berichtet von einer „packende(n) szenische(n) Neudeutung“. Auch musikalisch gelingt der Abend. „John Warner (…) holt alles aus der Partitur heraus, die spätromantische Opulenz ebenso wie die dissonante Kargheit“, meint die Westfälische Rundschau. Und die nmz:“ Musiziert wird auf höchstem Niveau.“ Foto: Björn Hickmann

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