(PM) Präsentiert vom Dachverband Tanz Deutschland fand am Samstag, den 28. Februar 2026 die Verleihung des Deutschen Tanzpreises und der Ehrungen statt. Über 1.000 Gäste aus Kunst, Kultur und Politik erlebten im Aalto-Theater ein hochkarätiges Bühnenprogramm. Zugleich wurde in den Begrüßungen, in den Worten der Laudator*innen und der Geehrten deutlich, dass Tanz – gerade in den Spannungen und Umbrüchen unserer Zeit – eine verbindende, reflektierende Kraft entfalten kann.
Im Rahmen der Tanz-Gala ist der Deutsche Tanzpreis 2026 an Christian Spuck verliehen worden. Mit der Auszeichnung ehrte die Jury einen der prägenden Choreografen seiner Generation, dessen Werke international Anerkennung finden und das klassische Ballett in zeitgenössischer Perspektive weiterentwickeln.
Die Laudatio hielt die Journalistin Dr. Dorion Weickmann. In ihrer Würdigung hob sie Spucks unverwechselbare choreografische Handschrift hervor, die psychologische Tiefe und erzählerische Klarheit verbinde und auch seine Stärken als Intendant: „Christian Spuck entwickelt eine künstlerische Vision, er nimmt den Organismus des Ensembles bis in die feinsten Kapillaren wahr und geht auf die Öffentlichkeit zu. Und das im Schulterschluss mit einem exzellenten Team. Sich mit den richtigen Menschen zusammenzutun, auch das ist eine Begabung, über die Christian Spuck verfügt – als Künstler wie als Chef. Das galt für Zürich, das gilt jetzt für Berlin und trägt zum Erfolg maßgeblich bei.“
Prof. Dr. Gabriele Brandstetter ist für ihre herausragende Entwicklung im Tanz geehrt worden. Mit der Auszeichnung würdigte die Jury ihre wegweisenden wissenschaftlichen und kulturpolitischen Impulse, mit denen sie die Tanzforschung und -vermittlung national wie international nachhaltig geprägt hat.
Die Laudatio hielt Margrit Bischof Im Rahmen des Tanzpreis Kultursalon am Vorabend. In der Jurybegründung wird der außergewöhnliche Werdegang Brandstetters als Tanzwissenschaftlerin, Publizistin und Netzwerkerin nachgezeichnet. Sie wurde für ihre maßgebliche Rolle bei der Etablierung der Tanzwissenschaft als eigenständige akademische Disziplin im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet.
Der Butoh-Tänzer Tadashi Endo wurde für sein Lebenswerk geehrt. Mit der Auszeichnung würdigte die Jury eine international herausragende Künstlerpersönlichkeit, die den Butoh-Tanz in Europa maßgeblich geprägt und über Jahrzehnte hinweg künstlerische Maßstäbe gesetzt hat.
Die Laudatio hielt die Regisseurin und Autorin Doris Dörrie. Seit 2005 bestand eine enge Zusammenarbeit zwischen ihr und Tadashi Endo, z.B. für die Oper „Madame Butterfly“ (2006) und den Film „Kirschblüten Hanami“ (2007). In ihrer sehr persönlichen Würdigung hob sie Endos unverwechselbare künstlerische Sprache hervor, die Stille, Intensität und existenzielle Tiefe vereine. Stellvertretend nahm Akira Endo die Auszeichnung für seinen Vater entgegen und dankte im Namen des Geehrten für die Anerkennung seines Lebenswerks.
Im Rahmen der Gala präsentierte das Staatsballett Berlin drei Arbeiten des Preisträgers. Gezeigt wurden „Nocturne“ sowie das bewegende Balkon-Pas-de-Deux aus „Romeo und Julia“ und „Beethoven“. Eindrucksvoll wurden Spucks Gespür für musikalische Dramaturgie und zwischenmenschliche Spannung veranschaulichte.
Den kraftvollen Auftakt bildete „WATER“ des Urban Dance Department & Friends. In der Choreografie von Souhail Jalti brachten 13 lokale und internationale Tänzer*innen die Essenz des Urban Dance auf die Bühne und verbanden Hip-Hop, Popping und Breakdance mit zeitgenössischem urbanem Ausdruck.
Mit der Uraufführung „NOT BUTOH SOLO“ setzte der Choreograf und Tänzer Thomas A. Bradley einen eindrucksvollen künstlerischen Akzent. Das Solo verstand sich zugleich als Referenz an Gabriele Brandstetter und Tadashi Endo sowie als persönliche Reflexion über die anhaltende Faszination für den japanischen Butoh.
Die MiR Dance Company Gelsenkirchen zeigte Ausschnitte aus dem mitreißenden Zweiteiler „Hasard & Boléro“ von Sita Ostheimer mit Musik von Yehezkel Raz und Maurice Ravel sowie einen Ausschnitt aus „Millennials“ des Choreografen Marcos Morau. „Millennials“ setzt sich eindringlich mit den Auswirkungen der digitalen Revolution auseinander und zeichnete nach, wie Internet und soziale Netzwerke den Kern der Gesellschaft verändert haben.
Eröffnet wurde die Tanz-Gala durch ein Grußwort von Julia Jacob, 1. Bürgermeisterin der Stadt Essen. Durch den Abend führte die Moderatorin Vivian Perkovic, Moderatorin des 3sat-Magazin „Kulturzeit“.
Die Veranstaltung wurde mit Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache (DGS) angeboten und setzte damit ein sichtbares Zeichen für kulturelle Teilhabe und Inklusion.
Jetzt schon vormerken: Der nächste Tanzpreis wird am 13.03.2027 im Aalto-Theater Essen verliehen.
Foto: Ursula Kaufmann/Deutscher Tanzpreis








