"Turandot" in Nürnberg

Giacomo Puccini konnte seine letzte Oper, die – anders, als die meisten seiner Musiktheaterwerke – ein Märchen erzählt mit Commedia dell’arte-Einschüben durch die Figuren von Ping, Pang und Pong, nicht vollenden. Sein Schüler Franco Alfano ergänzte einen Schlussteil, ausgehend von Skizzen des Komponisten. Arturo Toscanini, der die Uraufführung dirigierte, strich diese Fassung von Alfano zusammen. An der Oper in Nürnberg interessierte man sich nun für die längere Version, versah sie mit neuen Strichen und schuf damit eine ganz eigene „Nürnberger Fassung“. Turandot träumt sich in dieser Inszenierung in verschiedene Frauenfiguren hinein, sichtbar auf der Bühne, zuletzt in die Figur der biblischen Eva. Durch diese Figuren gelingt es ihr, so Regisseurin Kateryna Sokolova, ein bisschen mehr Selbstbewusstsein und Entscheidungsfreiheit zu gewinnen. Der Münchner Merkur schreibt: „Sokolova gelingt quasi über Bande eine Psychologisierung der Hauptfigur, die in anderen Aufführungen Flachrelief bleibt.“ „In den besten Momenten klingt die Nürnberger Staatsphilharmonie (...) voll, warm, glitzernd, mit Gespür für die mosaikhafte Partitur, die Spieldosen-Chinoiserie und spätromantische Klänge mit modernistischen Spitzen durchsetzt“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Und der Münchner Merkur berichtet von einem „plastisch und präzise singendem Chor“.  Das Premierenpublikum reagierte begeistert. Das Foto (Pedro Malinowski) zeigt Ragaa Eldin als Calaf und den Opernchor der Staatsoper Nürnberg.

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