"Riemannoper" in Meiningen

Es bedarf schon einiger Phantasie, um auf die Idee zu kommen, Texte aus einem Musiklexikon als „Libretto“ für eine so genannte Oper zu wählen. Hugo Riemann, Thüringer Musikwissenschaftler (1849-1919) hat DAS Musiklexikon geschrieben, das auch heute noch genutzt wird. Der US-Amerikaner Tom Johnson zitiert daraus, parodiert damit Begriffe und nimmt Klischees, allen voran der an der Oper beteiligten Personen, aufs Korn. Vier Sängerinnen und Sänger reisen in der Spielzeitpause in den Süden; sie treffen sich im Speisewagen des Zuges – und die Deutsche Bahn bekommt in der Meininger Inszenierung von Freya Götz auch ihr Fett weg, gibt es doch Pannen und Fahrstörungen. „Entertainment und Infotainment zugleich!“ verspricht das Staastheater Meiningen – und das Publikum nimmt diese humorvolle Darbietung sehr freudig auf. Das „Freie Wort“ lobt das „komödiantische Talent“ der Protagonisten: „Die Freude, die ihnen das selbst offensichtlich macht, überträgt sich schnell auf die Zuschauer.“ „Freya Gölitz (…) gelingt (…) mit ihrer zweiten eigenen Produktion am Staatstheater Meiningen ein erstaunlicher Coup“, findet der Opernfreund. Und: „Nein, es wird kein banaler Klamauk mit Treppenwitzen aus der Theaterwelt geboten. Es ist das absurd komische Auftreten von Tenor, Bariton, Primadonna assoluta und Primadonna in einer höchst unterhaltsamen Umgebung.“ Das Foto (Christina Iberl) zeigt Mark Hightower, Stan Meus, Lubov Karetnikova und Tamta Tarielashvili.

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